Portugiesische Assemblage

Die Magie des Augenblicks – stilvolle Erotik

 

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Eine Assemblage – ein ganz neuer Geschmack wird kreiert, wenn verschiedene Rebsorten für einen Wein verwendet werden. Im besten Fall vereint diese Assemblage harmonisch die positiven Eigenschaften der einzelnen Rebsorten. Eine solche Assemblage entsteht, als Marlene auf Pedro trifft.

Was, wenn du ein Leben in geordneten Bahnen führst und damit zufrieden, wenn auch nicht glücklich bist? Was, wenn du Urlaub machst, nur um dir eine Auszeit vom Alltag zu nehmen und dich zu erholen? Was, wenn du einem Mann begegnest, der dich im Innersten berührt, deine Sinnlichkeit weckt und mit dem du der Magie des Augenblicks erliegst?

An der bizarren Felsküste, die der Atlantik in millionenfachen Wellenschlägen an der Südküste Portugals geschaffen hat, erlebt die Ärztin Marlene dieses Abenteuer ihres Lebens. Sie tritt über eine Schwelle, die ihr die Möglichkeit eröffnet, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben.

Das Buch enthält erotische Szenen.

 

 

Schon wieder eine Liebesgeschichte? Davon gibt es doch schon genug. Die Protagonisten kommen aus unterschiedlichen Ländern, führen ein Leben, das unterschiedlicher nicht sein könnte, und treffen sich nur durch einen Zufall. Hatten wir auch schon alles, kein Grund, das Buch in die Hand zu nehmen. Die Protagonisten haben Sex, der freizügig, aber trotzdem ästhetisch und schön beschrieben wird. Jetzt wird es schon interessanter. Die meisten schönen Liebesgeschichten hören an der Bettkante auf, und die Schilderungen aus dem Genre Erotik gleiten oft ins Derbe ab. Hat die Autorin es wirklich geschafft, eine tiefgründige Liebesgeschichte zu schreiben mit echter, prickelnder, detaillierter Erotik?

Du liest das Buch und blickst auf die traumhafte Kulisse der Südküste Portugals, hörst die Wellen gegen die Felsen schlagen, spürst den Wind in deinen Haaren und schmeckst die salzige Luft. Vor dir steht ein Glas Rotwein. Es ist ein ganz besonderer Wein, er schmeckt nach dem Glanz der alten Seefahrernation Portugals, nach der Schmach des gebrochenen Stolzes, in der Neuzeit nur die zweite Geige zu spielen, und nach dem Versuch, etwas Neues, Eigenes, Besonderes aus dieser Vergangenheit zu schaffen. Du liebst und leidest mit den Protagonisten, die wie auch du eine Vergangenheit haben, die Narben hinterlassen hat, und die nach einem Weg suchen, ihr Glück zu finden.

Neugierig geworden? Weiter unten auf dieser Seite ist eine Leseprobe der „Portugiesischen Assemblage“. Die ganze Geschichte ist erhältlich als E-Book und als Taschenbuch bei Amazon:

 

 

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Leseprobe:

Carvoeiro

 

Marlene hatte diesen Urlaub dringend nötig. Sie saß in der Halle vor dem Abfluggate und versuchte, sich zu entspannen. Nur mit Mühe unterdrückte sie den Drang, die zehn Minuten bis zum Boarding zu überbrücken, indem sie ihren Laptop zückte, auf ihrem Smartphone herumtippte oder zumindest in einer Illustrierten blätterte. Sie atmete tief durch und schloss kurz die Augen. Es kostete sie Kraft, das Tempo ihres Alltags zu drosseln.

Wenige Stunden später betrat sie ihr Zimmer in einem kleinen Hotel an der Küste der Algarve. Der Flug war reibungslos verlaufen. Mit ihrem Mietwagen hatte sie in einer guten Stunde den Weg von Faro nach Carvoeiro zurückgelegt, denn die sonst sehr befahrene A22 war nahezu leer. Die Hauptsaison war vorbei, die Familien mit ihren Kindern waren abgereist. Auch im Hotel schienen kaum Gäste zu wohnen, es waren die letzten beiden Wochen, bevor es für diese Saison schließen würde. Marlene hatte ein großes Zimmer mit Balkon und Meerblick gebucht. Das Hotel war schon etwas heruntergekommen, und Marlene hatte beim Betreten der Eingangshalle einen Anflug von Enttäuschung verspürt. Sie hatte ein kleines, gemütliches Haus mit individueller Atmosphäre erwartet und nicht eine in die Jahre gekommene Absteige für Pauschaltouristen. Ihr Zimmer versöhnte sie etwas. Zwar war das Mobiliar gewöhnlich und leicht verschlissen, aber es bot Raum, hatte ein renoviertes Bad, und bereits beim Eintreten fiel ihr Blick durch eine große Glastür über die Steilküste hinweg auf das Blau des Atlantiks. Sie hätte es sich problemlos leisten können, in einem der ersten Häuser an der Algarve zu wohnen. Doch sie hatte sich für dieses kleine Hotel entschieden, weil sie vor allem Ruhe wollte und hoffte, sich ohne Kleider- und Benimmzwänge besser entspannen zu können.

Im Alltag hatte Marlene kaum Gelegenheit, Geld auszugeben. Vor sechs Monaten hatte sie ihre Facharztprüfung für Frauenheilkunde bestanden, und außer ihrer Arbeit gab es wenig in Marlenes Leben. Sie arbeitete täglich bis acht oder neun Uhr abends, hatte jedes zweite Wochenende Dienst, und ihre dienstfreien Wochenenden waren ausgefüllt mit wissenschaftlicher Arbeit. Sie war ehrgeizig und plante, ihre Habilitationsschrift im nächsten Jahr einzureichen. Nebenbei versuchte sie, die wenigen sozialen Kontakte, die ihr wichtig waren, aufrechtzuerhalten und ihre Eltern gelegentlich zu besuchen. Das Arbeitspensum gestattete ihr kaum, Luft zu holen, geschweige denn, bei gemütlichen Shoppingtouren Geld auszugeben. Der letzte Urlaub, den sie nicht im Labor verbracht hatte, lag auch schon mehr als zwei Jahre zurück.

Sie öffnete die Tür und trat auf den Balkon. Der Blick über die Steilküste hinaus aufs Meer, die salzige Luft und das Geräusch der Brandung erreichten, was sie seit Stunden vergeblich versucht hatte: Sie entspannte sich.

Nachdem sie ausgepackt und geduscht hatte, wurde im Hotel bereits das Abendessen serviert. Marlene beabsichtigte nicht, das Angebot des Abendbuffets im Hotel häufig wahrzunehmen. Sie freute sich darauf, kleine Restaurants an der Küste und im Landesinneren auszuprobieren und auf urigen Terrassen Meeresfrüchte und landestypische Küche mit einem guten Glas Wein zu genießen. Sie mochte die Standardbuffets mit Standardspeisen in ungemütlichen Hotelrestaurants nicht. Doch heute war sie zu müde, um das Hotel noch einmal zu verlassen, und ging daher nach unten. Beim Betreten des Speisesaals bestätigte sich ihr Eindruck von der Auslastung des Hotels. Nur wenige der Tische waren besetzt, und für die spärliche Zahl an Gästen stand eine unverhältnismäßig große Zahl an Kellnern herum. Alle Blicke wandten sich ihr zu. Bei so wenigen Gästen gab das Eintreffen eines Neuankömmlings anscheinend Anlass zur allgemeinen Aufmerksamkeit. Insbesondere die Kellner musterten sie mit unverhohlener Neugier. Die jungen Männer standen in einer Ecke des Speisesaals und verfolgten sie mit ihren Blicken. In diesem Moment trat ein weiterer Kellner durch die Schwingtüre der Küche in den Saal und sah sich im Raum um. Offensichtlich handelte es sich um den Oberkellner, denn er begann in leisem, aber bestimmtem Ton, seinen Kollegen Anweisungen zu geben. Sofort sprangen drei Kellner hinter Marlene her, geleiteten sie zu einem Tisch am Fenster und rückten an ihrem Stuhl herum. Marlene seufzte. Genau das hatte sie zu vermeiden gesucht, als sie sich für dieses kleine Hotel entschieden hatte. Wenig Personal und maximale Ungestörtheit hatte sie sich gewünscht. Sie fühlte sich unbehaglich in der ganzen Aufmerksamkeit. Der Oberkellner schien ihren Unmut zu registrieren und scheuchte die Meute mit einer Handbewegung weg. Er gab ihr ein paar Minuten Zeit, bevor er an ihren Tisch trat. Anders als die übrigen Kellner, die Anfang bis Mitte zwanzig waren, ging er auf die vierzig zu. Er war nicht groß, aber gut gebaut, schlank, mit breiten Schultern. Seine schwarzen Haare fielen ihm in dichten Locken in die Stirn, und er blickte sie mit ernsten, fast schwarzen Augen an.

„Guten Abend, Madame. Was darf ich Ihnen zu trinken bringen?“

„Ich möchte gerne einen Rotwein aus der Region probieren.“

„Wir können Ihnen unseren Hauswein, einen trockenen Rotwein im offenen Ausschank, anbieten oder selbstverständlich auch einen Flaschenwein.“

„Eigentlich bevorzuge ich einen kräftigeren Wein mit einem höheren Restzuckergehalt. Können Sie mir etwas empfehlen?“

Seine Miene hellte sich auf, als freue er sich darüber, ihr etwas anderes als den Standard bringen zu dürfen. „Dann empfehle ich Ihnen einen Marquês dos Vales Jahrgang 2008 vom Weingut Quinta dos Vales. Es handelt sich um eine Assemblage, eine Mischung, die jeweils zur Hälfte aus den Rebsorten Cabernet Sauvignon und Trincadeira hergestellt wurde.“

„Trincadeira? Von dieser Rebe habe ich noch nie gehört.“

„Es handelt sich um eine alte Rebsorte, die in Portugal weit verbreitet angebaut wird, in anderen Ländern aber kaum noch. Sie ist auch unter dem Namen Tinta Amarela bekannt.“

Marlene nickte. „Diesen Wein probiere ich gerne.“

„Möchten Sie den Wein bereits zur Vorspeise oder erst zum Hauptgang?“

„Erst zum Hauptgang bitte. Zur Vorspeise nehme ich Wasser“, gab Marlene zur Antwort.

„Gerne, Madame.“

Er deutete eine Verbeugung an und wandte sich ab. Marlene holte sich etwas vom Vorspeisenbuffet. Keiner der Kellner wagte sich mehr an ihren Tisch. Anscheinend hatten sie Anweisung erhalten, sie in Ruhe zu lassen. Das war gut so und tröstete sie darüber hinweg, dass die Auswahl an Speisen dürftig war und ihre Qualität reichlich Spielraum zur Verbesserung bot. Nachdem sie die Vorspeise beendet hatte, räumte der Oberkellner ihren Teller ab, und sie blickte sich erstmals in Ruhe im Speisesaal um. Alles war schäbig, abgenutzt und viel zu üppig eingerichtet. Sie ärgerte sich über ihre Entscheidung, hierherzukommen. Lange hatte sie überlegt, ob sie überhaupt alleine in den Urlaub fahren sollte, wohin und in welches Hotel. Sie hatte mit einem der modernen, teuren Hotels in dem minimalistischen, gradlinigen Design geliebäugelt, jedoch befürchtet, sich dort alleine seltsam vorzukommen. Anhand der Abbildung im Katalog hatte sie vermutet, dieses Hotel sei gemütlich, und sie würde sich dort wohler fühlen. Im Moment war sie so enttäuscht, dass sie überlegte, sich kurzfristig ein anderes Hotel zu suchen. Sie hatte so lange keinen Urlaub mehr gemacht, und er sollte unter den gegebenen Umständen so schön wie möglich werden. Doch dann trat der Oberkellner mit einer Flasche Wein in einem Rotweinkorb an ihren Tisch. Er hielt ihr die Flasche mit dem Etikett im richtigen Abstand hin, nicht direkt unter die Nase, aber doch nahe genug, um ihr auch das Lesen des Etiketts zu ermöglichen.

„Marquês dos Vales Jahrgang 2008 vom Weingut Quinta dos Vales. Darf ich Ihnen die Flasche öffnen, Madame?“

„Gerne, danke.“

Mit raschen, geübten Handbewegungen zog er den Kork aus der Flasche, unterzog ihn einer Geruchsprobe, schenkte ihr einen Probeschluck ein und präsentierte ihr die Flasche erneut.

Marlene nahm das Glas am Stiel, schwenkte die rubinrote Flüssigkeit leicht, registrierte die Nasen, die der Alkohol am Glas bildete, und sog das Bukett von dunklen Beeren mit einem würzigen Unterton ein. Sie nahm einen Schluck. Der Wein war schwer, voll und mit einer gewissen Süße, so wie sie es mochte. Er hatte einen langen Abgang von mindestens 20 Caudalies. Bereits mit dem ersten Schluck hinterließ er in ihrer Speiseröhre ein leichtes Brennen, gefolgt von einer wohligen Wärme, die sich bis in den Magen ausbreitete und den Ärger über ihre Entscheidung, dieses Hotel gewählt zu haben, verdrängte.

Zum ersten Mal an diesem Abend schlich sich ein Lächeln in ihr Gesicht. „Danke, den nehme ich.“

Auch der Oberkellner wirkte zufrieden und schenkte ihr den Wein ein. Da das Essen mäßig und der Wein gut war, trank Marlene mehr, als sie eigentlich vertrug. Durch das häufige Nachschenken verlor sie den Überblick über die Menge. Zum Dessert nahm sie sich etwas von der schon ziemlich abgegessenen Käseplatte und ein Stück zu trockenes Brot. Auf dem Rückweg zu ihrem Tisch musste sie sich konzentrieren, um nicht vom direkten Weg abzukommen. Sie war keinen Alkohol mehr gewöhnt. Zu Hause trank sie selten, und der schwere Wein ohne anständige Grundlage stellte für ihr Gehirn eine Herausforderung dar. Innerlich bereitete sie sich auf den Rückzug in ihr Zimmer vor. Sie gedachte nicht, den Kellnern, die sich zwar von ihr ferngehalten, sie aber unverwandt beobachtet hatten, ein Schauspiel zu bieten, indem sie quer durch den Speisesaal wankte. Mit Würde meisterte sie den Weg in ihr Zimmer, wo sie es gerade noch schaffte, sich notdürftig die Zähne zu putzen und Rock und Bluse gegen ein Nachthemd auszutauschen, bevor sie sich aufs Bett fallen ließ. Mit dem Rauschen der Brandung im Ohr fiel sie in einen tiefen Schlaf.

 

Am nächsten Morgen wachte sie aus alter Gewohnheit früh auf und verspürte leichte Kopfschmerzen. Eine Weile setzte sie sich auf einen der billigen Plastikstühle auf dem Balkon und beobachtete das Glitzern der aufgehenden Sonne über dem Meer. Sie fühlte sich müde und matt, doch so sollte es wohl sein. Nach den hinter ihr liegenden anstrengenden Monaten durfte sie sich jetzt ein paar Tage hängen lassen. Zu der Erschöpfung gesellte sich eine gewisse Traurigkeit. Der Anblick des Sonnenaufgangs war zu schön, um ihn alleine zu genießen. Zu Hause spürte sie selten das Verlangen nach einem Partner, ihr Leben war durchgetaktet und verlief in festen Bahnen. Es gab wenig Raum für sehnsüchtige Gedanken. Doch hier fühlte sie sich plötzlich einsam. Wie viel schöner wären die schillernden Farben, die die noch schwachen Sonnenstrahlen auf die Meeresoberfläche warfen, wenn sie diese Aussicht über die Klippen mit einem geliebten Menschen teilen könnte. Marlene gab sich diesen sehnsüchtigen Gedanken hin. Sie hatte sie so lange verdrängt und in ihrer jetzigen Verfassung nicht die Kraft, dagegen anzukämpfen.

Nach einiger Zeit regte sich in ihr das dringende Bedürfnis nach einer Tasse starken schwarzen Kaffees. Dieses Verlangen war eine willkommene Ablenkung, und sie raffte sich auf, um zu duschen, sich anzuziehen und den trostlosen Speisesaal aufzusuchen. Kaum hatte sie diesen betreten, umzingelten sie die Kellner, geleiteten sie zu ihrem Tisch und schenkten ihr Kaffee ein. Wenigstens schmeckte der Kaffee gut und erlöste sie schlagartig von ihren Kopfschmerzen. Der Oberkellner schien heute nicht da zu sein, um ihr die Kellner vom Hals zu halten, denn diese tänzelten um sie herum und zwinkerten ihr zu allem Überfluss anzüglich zu. Anscheinend war sie hier eine begehrte Rarität. Gut, ihr goldblondes Haar übte bei den südländischen Kellnern sicherlich einen Reiz des Ungewohnten aus. Ihre glatten Haare trug sie aus praktischen Gründen schulterlang. Zu einem Zopf gebunden konnte sie sie problemlos unter der OP-Haube verstecken, und sie musste nicht so oft zum Friseur, da es auf zwei Zentimeter mehr oder weniger nicht ankam. Um ihre Kurzsichtigkeit zu korrigieren, trug sie eine Hornbrille mit dickem Rand. Bewusst hatte sie ein auffälliges Modell gewählt, um mit ihren dunkelblauen Augen, den langen schwarzen Wimpern und ihrer hellen, zarten Haut nicht als naive Blondine wahrgenommen zu werden. Beruflich wollte sie ernst genommen und auf gar keinen Fall nach ihrem Aussehen beurteilt werden. Bei den Kellnern verstärkte der intellektuelle Eindruck, den ihre streng zurückgebundenen Haare und die Brille vermittelten, gewiss noch den Reiz des Unbekannten. Besonders anziehend war sicher der Umstand, dass sie alleine reiste. Sie war der einzige Gast, der alleine am Tisch saß. Normalerweise machte es ihr nichts aus, ohne Begleitung unterwegs zu sein. Sie kam sehr gut mit sich zurecht. Davon abgesehen gab es auch niemanden, mit dem sie hätte verreisen können. Ihre Freundinnen befanden sich alle in Partnerschaften. Sie hatte ihre beiden besten Freundinnen gefragt, ob sie mit ihr in den Urlaub fliegen wollten. Tanja war frisch verliebt und konnte sich nicht vorstellen, einen Urlaub ohne ihren Torsten zu machen, wofür Marlene vollstes Verständnis hatte. Sicher wäre es ihr selbst umgekehrt genauso gegangen. Susanne hatte erst zugesagt, sie war schon seit zehn Jahren verheiratet und fand den Gedanken an einen Urlaub ohne ihren Ehemann durchaus verlockend.

„Das wäre mal wieder etwas anderes. Es würde mich an unsere Studentenzeit erinnern, als wir noch ungebunden und abenteuerlustig waren“, hatte sie sich gefreut.

Sie hatten sich gemeinsam nach Urlaubszielen umgesehen. Doch vor zwei Monaten hatte Susanne ihr eröffnet, dass sie schwanger sei, in der Schwangerschaft kein Risiko eingehen und daher nicht verreisen wolle.

Marlene hatte sich sehr für Susanne gefreut. Susanne und ihr Mann wünschten sich schon so lange Kinder und hatten viele vergebliche Anstrengungen unternommen, um sich diesen Herzenswunsch zu erfüllen. Sie wusste, wie sehr Susanne darunter gelitten hatte, keine Kinder zu bekommen. Vor Marlene, die ja auch keine Kinder und noch nicht einmal einen Partner hatte, war Susanne immer zurückhaltend gewesen und hatte versucht, sich nicht anmerken zu lassen, wie unglücklich sie war. Marlene wusste jedoch, dass Susanne ihre berufliche Karriere nur als Trostpflaster empfand und lieber auf ihren Beruf verzichtet hätte, um sich um ihre Kinder zu kümmern.

Marlenes Wunsch nach Kindern war nicht besonders ausgeprägt. Sie versuchte auch gar nicht darüber nachzudenken, dass in nicht allzuferner Zukunft ihre fruchtbaren Jahre bereits hinter ihr liegen würden. Da sie keinen passenden Partner, aber einen schönen und erfüllenden Beruf hatte, konzentrierte sie sich auf ihre Karriere und war damit auch zufrieden –zumindest meistens.

 

An diesem Morgen fühlte sie sich unwohl an ihrem Tisch am Fenster. Belästigt durch die Kellner, die ihr zuzwinkerten und sich sofort auf alle Gläser und Teller stürzten, die sie geleert hatte, erwog sie erneut den Umzug in ein anderes Hotel. Momentan fühlte sie sich allerdings zu träge für diesen organisatorischen Aufwand. Sie beschloss, zunächst einmal die Umgebung zu erkunden. Vom Hotel aus ging sie ein Stück die Straße hinunter bis zu einem kleinen Parkplatz. Von dort aus führte eine lange, teilweise in den Fels gehauene Treppe die Steilküste hinab. Neben dem Parkplatz drängte sich ein kleines Restaurant an die Felsen. Ein paar Plastiktische und -stühle hatten gerade noch auf dem Vorsprung Platz, bevor eine niedrige Mauer die Gäste davor bewahren sollte, die steil abfallende Felsküste hinabzustürzen. Noch war der kleine Imbiss geschlossen, aber Marlene beschloss allein wegen des spektakulären Ausblicks, hier zu Mittag zu essen. Als sie die Treppe hinabstieg, eröffnete sich ihrem Blick ein kleiner weißer Sandstrand, der von Felsen umrahmt und hinten von einer mindestens fünfzig Meter steil aufragenden, fast schon überhängenden Felswand begrenzt war. Marlene hielt die Luft an. Dieses Fleckchen Erde war traumhaft. Marlene breitete ihr Handtuch in der Sonne aus und streckte sich im Bikini darauf aus. Ihr Blick wanderte die Felsen entlang nach oben. Die unregelmäßigen Steinformationen warfen bizarre Schatten, und die überhängenden Felsen schienen nur darauf zu warten, auf sie zu stürzen. Darüber der blaue Himmel, dem nur eine gelegentliche Kumuluswolke Abwechslung verschaffte. Es war herrlich! Marlene seufzte und schloss die Augen.

Sie musste wohl eingeschlafen sein, denn als sie aufwachte, hatte der Fels schon seinen Schatten auf sie geworfen. Mit einem Blick auf die Uhr stellte sie überrascht fest, dass es bereits früher Nachmittag war. Glücklicherweise hatte sie daran gedacht, sich mit einem hohen Lichtschutzfaktor einzucremen. Ansonsten wäre sie wohl die nächsten Tage damit beschäftigt gewesen, ihre Verbrennungen zu pflegen. Einige andere Badegäste hatten sich auch auf dem kleinen Strand eingefunden, aber es blieb überschaubar. Um ihre Benommenheit nach dem Mittagsschlaf abzuschütteln, ging Marlene ins Meer, dessen Oberfläche in der kleinen, geschützten Bucht ruhig dalag. Marlene schwamm ein paar Züge und spürte, wie das erfrischende Wasser des Atlantiks ihre Lebensgeister weckte. Da sie nach dem ungemütlichen und daher knapp ausgefallenen Frühstück hungrig war, packte sie ihre Sachen zusammen und stieg die schmale Treppe wieder hinauf. Auf der Terrasse des kleinen Restaurants war noch ein Tisch frei, und Marlene verspeiste die leckersten in Olivenöl gebratenen Sardinen, die sie je gegessen hatte. Nach dem Essen gönnte sie sich einen Kaffee, und da sie ihren Logenplatz direkt über dem Meer nicht aufgeben wollte, bestellte sie noch einen Aperol Spritz. Dies kam der Vorstellung, die sie sich von ihrem Urlaub gemacht hatte, schon sehr nahe. Zufrieden lehnte sie sich zurück und genoss den Augenblick.

Den Rückweg dehnte Marlene durch einen Abstecher in das ehemalige Fischerdorf aus, das mittlerweile fast ausschließlich vom Tourismus lebte. In einem kleinen Andenkenladen kaufte sie einige Postkarten: für ihre Eltern, den Kreißsaal, in dem sie einen beachtlichen Teil ihrer Nächte verbrachte, die onkologische Station, auf der sie nach ihrem Urlaub als Oberärztin beginnen sollte, den Operationssaal sowie für Tanja und Susanne. Das obligatorische Schreiben der Karten wollte sie so schnell wie möglich hinter sich bringen. Am Ende des Urlaubs würde sie sich dazu nicht mehr aufraffen können, das wusste sie aus Erfahrung.

Erst als es bereits Zeit zum Abendessen war, kehrte Marlene zurück ins Hotel. Sie hatte keine Lust mehr, noch wegzufahren, und als sie den Speisesaal betrat, stellte sie mit Erleichterung fest, dass der Oberkellner anwesend war. Wie erhofft, kümmerte ausschließlich er sich um sie und hielt die anderen Kellner von ihr fern. Sie freute sich schon auf den Rest des Weines, der für sie aufbewahrt worden war. Der Oberkellner bediente sie formvollendet und schien im Gegensatz zu seinen jüngeren Kollegen sehr gut ausgebildet zu sein. Bei diesen schepperte und krachte es ständig, weil ihnen Besteck von den unpräzise aufgestapelten Tellern rutschte. Sie beobachtete, wie sie die Weingläser am Kelch anfassten und die Getränke mal von rechts und mal von links oder sogar quer über den Tisch servierten. Mit Genugtuung ließ sie sich von einem unaufdringlichen, souveränen Fachmann bedienen, der ihr den Wein von links präsentierte und die Mühe nicht scheute, ihn von rechts einzuschenken. Von dem Wein, der an diesem Tag noch besser zu schmecken schien, war leider nur noch wenig übrig. Daher ließ sie sich auf Empfehlung des Oberkellners zum Dessert eine Flasche Pintas Vintage Port Jahrgang 2005 aus dem Douro-Tal dekantieren. Sie hatte ja noch einige Tage Zeit, die Flasche zu leeren.

„Dieser Portwein wurde aus über dreißig verschiedenen Rebsorten von teilweise mehr als siebzig Jahre alten Rebstöcken im Quinta Vale Dona Maria kreiert“, wusste der Oberkellner zu berichten. „Er wurde nur zwei Jahre im Fass gereift und 2007 dann zur vollen Ausreifung in Flaschen abgefüllt. Eigentlich hat er noch gar nicht die volle Trinkreife, aber seine Bewertungen sind schon jetzt eindrucksvoll.“

Er schmeckte ausgezeichnet, kraftvoll, mit einer exotischen Note und fruchtig in der Nase.

Marlene war beeindruckt, sowohl vom Wein als auch vom Wissen des Oberkellners. Warum er wohl in diesem drittklassigen Hotel arbeitete?

 

Nach einer erholsamen Nacht wachte Marlene am nächsten Morgen in bester Laune auf. Der Himmel strahlte mit dem Meer um die Wette, und sie freute sich über den Luxus, heute keine Aufgaben oder Pläne zu haben. Sie stellte sich kurz unter die Dusche und warf nur ein Kleid über. Das zart graublaue Trägerkleid mit dem dezenten Seesternmotiv hatte sie vor drei Jahren gekauft und seitdem nie getragen. Sie war damals im Mai auf einer Tagung in Düsseldorf gewesen und hatte einen halben freien Tag für einen Bummel auf der Königsallee genutzt. Im Schaufenster von Armani hatte dieses Kleid sie dazu verführt, die Boutique zu betreten, obwohl sie sonst ihre wenigen Kleidungsstücke eher aus Kaufhäusern oder Outlets bezog. Nur für Designerjeans hatte sie eine Schwäche. Bei der Anprobe hatte sie sich sofort in das Kleid verliebt. Ihr üblicher Stil war streng und gradlinig, doch in diesem Kleid wirkte sie plötzlich weich und sinnlich. Es umspielte ihre Figur und zauberte einen zarten Schimmer auf ihre Haut. Trotz des horrenden Preises hatte sie nicht widerstehen können und das Kleid erstanden. Bislang hatte sich ihr noch keine Gelegenheit geboten, es zu tragen. Heute jedoch entsprach ihre Stimmung dem Kleid, und sie genoss den Hauch des feinen Stoffes auf ihrer Haut. Sie verzichtete auf Unterwäsche, der Stoff war blickdicht und bedeckte ihren Körper bis zu den Waden. Ein leichter Windstoß würde sie nicht entblößen, und bei jedem Schritt die kühle Luft zwischen ihren Beinen zu spüren, verstärkte das Gefühl von Freiheit, das sie heute in Hochstimmung versetzte. Auch verzichtete sie darauf, sich die Haare zu einem strengen Zopf zusammenzubinden, wie sie es sonst immer tat.

Wie auf Wolken schwebte sie in den Speisesaal, wo sie sich schon daran gewöhnt hatte, dass sich bei ihrem Eintreten alle Augenpaare auf sie richteten. Heute stellte sie erfreut fest, dass Gäste und Kellner bei ihrem Anblick gleichermaßen die Luft anhielten. Der Oberkellner, der sich gerade vollbepackt mit schmutzigem Geschirr auf dem Weg zur Küche befand, blieb wie angewurzelt stehen und starrte sie mit weit aufgerissenen Augen an. Auch wenn ihr das Publikum hier völlig gleichgültig war, freute sich Marlene im Nachhinein über ihre Entscheidung, das Kleid gekauft zu haben. Auch sie konnte eine gewisse weibliche Eitelkeit nicht verleugnen.

 

 

Pedro

 

Marlene saß in dem kleinen Restaurant über den Klippen. Sie hatte ein paar schöne und entspannte Tage am Strand verbracht und viel gelesen. Auf ihrem E-Book-Reader hatte sie seit Monaten Bücher gesammelt, in der Absicht, sie im Urlaub zu lesen. Außerdem machte sie kleine Spaziergänge, badete im Meer und saß mittags jeweils zwei Stunden auf ihrem Lieblingsplatz über den Klippen. Im Großen und Ganzen verlief der Urlaub so, wie sie es sich vorgestellt hatte. Sie fühlte sich bereits ruhiger und entspannter als vor ihrer Abreise, ihre Haut hatte einen Hauch Farbe angenommen, und der Klinikalltag war in weite Ferne gerückt. Der Müßiggang ließ ihr allerdings auch Zeit zum Nachdenken. Wenn sie alleine die Klippen entlangspazierte oder bei ihrem Nachmittagskaffee auf das Meer blickte, stellte sie sich immer wieder die Frage, wie ihr Leben wohl weitergehen würde. Ihr Beruf füllte sie aus, doch sollte das alles sein? Sie liebte ihre Eltern und hatte ein gutes Verhältnis zu ihnen. Zumindest ein Wochenende im Monat versuchte sie bei ihnen zu verbringen. Außer ihren Eltern gab es noch ihre Freundinnen. Susanne würde bald Mutter werden und dann für Marlene nur noch wenig Zeit und Nerven übrig haben. Und sonst? Würde es ihr reichen, sich vollständig ihrem Beruf zu widmen? Hätte sie nicht doch gerne einen Partner?

Das Ende ihrer letzten Beziehung lag fast zwei Jahre zurück und war ein Ende mit Schrecken gewesen. Dabei hatte alles so schön angefangen. Eric war bereits ein erfahrener Assistenzarzt, als sie gemeinsam mit ihm auf der geburtshilflichen Station gearbeitete hatte. Er hatte ihr vieles beigebracht und sie zum Lachen gebracht. Die Arbeit mit ihm war entspannt und lustig gewesen, eine unbeschwerte, fröhliche Zeit. Die vielen gemeinsamen Stunden hatten sie einander näher gebracht, und nach wenigen Monaten waren sie ein Paar geworden. Ein Jahr lang war sie mit ihm glücklich gewesen, hatte mit ihm zwei wunderschöne Urlaubsreisen nach Kanada und auf die Malediven unternommen und gedacht, den Mann ihres Lebens gefunden zu haben. Nach etwa einem Jahr begann sie zu ahnen, dass Eric nicht so glücklich war wie sie. Es waren Kleinigkeiten, die es ihr bewusst machten. Immer häufiger unternahm er Dinge ohne sie, war ungeduldig und fing wegen Nichtigkeiten Streit an. Sehr schnell wurde ihr klar, warum Eric sich mit ihr nicht mehr wohlfühlte: Sie war zu erfolgreich. Im Gegensatz zu ihm hatte sie wissenschaftliches Interesse und verbrachte einen guten Teil ihrer Freizeit im Labor. Eric hatte diese Zeiten genutzt, um Sport zu treiben, und eigentlich hatte sie gedacht, dies sei für beide eine akzeptable Aufteilung. Sie publizierte zwei wissenschaftliche Arbeiten und erhielt von ihrem gemeinsamen Chef öffentliche Anerkennung dafür. Im Operationssaal bewies sie ebenfalls Geschick und wurde von den Oberärzten gefördert. Es tat Marlene weh zu sehen, dass Eric neidisch auf ihren Erfolg war. Allen Ernstes hatte sie überlegt, beruflich weniger zu leisten, um ihre Beziehung zu retten. Doch selbst wenn sie diesen Entschluss gefasst hätte, wäre es ihr wohl kaum möglich gewesen, ihn auch in die Tat umzusetzen. Ihr Drang danach, ihr Bestes zu geben, was auch immer sie tat, wäre zu groß gewesen. Noch während sie mit der Überlegung beschäftigt war, wie sie ihre Beziehung retten könnte, fand sie heraus, dass er sie mit einer Krankenschwester betrogen hatte. Als sie ihn zur Rede stellte, kam es zu einer unschönen Szene. Beim Gedanken an diesen Streit lief Marlene noch immer ein kalter Schauer über den Rücken.

„Du bist selbst schuld daran, dass ich dich betrogen habe!“, hatte Eric ihr vorgeworfen. „Kein normaler Mann würde es mit dir auf Dauer aushalten. Du bist krampfhaft ehrgeizig und humorlos. Kannst du nicht mal locker lassen? Musst du immer alles perfekt machen?“

Seine Worte hatten sie damals tief getroffen. Sicher steckte ein Funken Wahrheit darin. Sie war nicht gerade die Verkörperung der Leichtigkeit des Seins, und ihr Hang zum Perfektionismus war sicher für einen Partner schwer zu ertragen. Sie hatte jedoch geglaubt, dass Eric sie so liebte, wie sie war – war doch auch sie dazu bereit gewesen, ihn mit all seinen Fehlern anzunehmen. Um den Schmerz nach der Trennung von Eric zu überwinden, hatte sie sich noch energischer in ihre Arbeit gestürzt und dort den Trost gefunden, den sie brauchte. In den vergangenen zwei Jahren hatte sie gelernt, alleine zurechtzukommen. Sie hatte sich vorgenommen, sich nicht noch einmal das Herz brechen zu lassen. Im Nachhinein war sie selbst entsetzt über ihre Bereitschaft, in ihrer beruflichen Leistung bewusst nachzulassen, nur um Erics Neid keine weitere Nahrung zu geben.

Marlene versuchte, diesen Gedanken nicht zu viel Raum zu geben. Sie spürte jedoch, dass es wichtig war. Erst nach zwei Jahren und in ihrem ersten Urlaub seit der Trennung von Eric war sie bereit dazu, sich damit auseinanderzusetzen und die Kränkung, die sie erfahren musste, aufzuarbeiten.

Als Marlene ihren Blick über die Wellen schweifen ließ und ihr bewusst wurde, dass diese Aufarbeitung ihr half, innerlich zur Ruhe zu kommen, spürte sie fast so etwas wie Erleichterung. Vielleich gelang es ihr hier in Portugal, das Kapitel Eric endgültig zu schließen. Etwas von der Energie, die sie im Urlaub verlassen hatte, kehrte zurück, und sie wurde unternehmungslustiger. Sie hatte sich ja extra einen Mietwagen genommen, um die Freiheit zu haben, nicht auf das Hotelessen angewiesen zu sein und Ausflüge zu unternehmen, wann und wohin sie wollte. Bislang stand dieser Mietwagen unbewegt auf dem Hotelparkplatz. Vom kommenden Tag an wollte sie ihr Vorhaben, die Algarve zu erkunden, in die Tat umsetzen.

 

Marlene stand am Frühstücksbuffet und versuchte gerade, sich zwischen einem trockenen Brötchen und einer labbrigen Brotscheibe zu entscheiden, als der Oberkellner neben sie trat.

„Wie geht es Ihnen heute?“, fragte er sichtlich nervös.

Marlene blickte überrascht vom Buffet auf. Sie hatte ihn noch nicht gesehen und war davon ausgegangen, dass er freihatte, zumal sie von einem anderen Kellner bedient wurde. Dieser hatte ihr Kaffee gebracht und prompt beim schwungvollen Absetzen der Tasse die Untertasse überschwemmt. Außerdem hatte der Oberkellner sie noch nie unterwegs angesprochen, sondern war immer mit einem „Guten Morgen, Madame“ an ihren Tisch getreten.

Er trat von einem Bein auf das andere und fragte leise: „Würden Sie heute Abend mit mir ausgehen?“

Marlene blickte ungläubig in seine dunklen und etwas schwermütig wirkenden Augen. Was sollte das? Konnte er dafür nicht seinen Job verlieren? Aus den Augenwinkeln sah sie die anderen Kellner wie üblich in ihrer Ecke stehen. Sie beobachteten Marlene und den Oberkellner, tuschelten und grinsten bis über beide Ohren. Eine Wette, dachte sie, das kann nur eine Wette sein. In ihr machte sich maßlose Enttäuschung breit. Der Oberkellner war ihr sympathisch gewesen und ein Lichtblick bei den ansonsten wenig erhebenden Mahlzeiten im Hotel. Warum ließ er sich auf so etwas ein? Sie hatte ihn schon eine ganze Weile wortlos angestarrt, und er war trotz seiner südländischen Hautfarbe unter ihrem Blick blass geworden. Gerade wollte sie sich mit einem eisigen „Nein, danke“ von ihm abwenden, als ihr durch den Kopf schoss, mit einem „Ja“ den Spieß umdrehen zu können. Mit Sicherheit rechnete er nicht mit einer Zusage, denn die Wette galt wohl alleine seinem Mut, sie anzusprechen. Dann wollen wir mal sehen, was passiert, dachte sie, und ohne die Spur eines Lächelns und ohne Freundlichkeit in der Stimme antwortete sie: „Ja, das können wir machen.“

Sie hatte richtig kalkuliert. Dem Oberkellner fiel die Kinnlade herunter, er schnappte nach Luft und schwankte, als wolle er gleich in Ohnmacht fallen.

„Wie heißen Sie eigentlich?“, legte Marlene nach.

Der Oberkellner versuchte, sich zu sammeln, und brachte nur ein gekrächztes „Pedro“ heraus.

„Dann sehen wir uns heute Abend um halb acht vor dem Hotel, Pedro“, versetzte sie ihm den letzten Stoß und nahm sich vor, ihn nicht aufzufangen, bevor er gleich auf dem fleckigen Teppich aufschlagen würde. Sie wandte sich ab, nahm im Vorbeigehen als Alternative zu trockenem Brötchen und labbrigem Brot ein fettiges Croissant mit und stolzierte erhobenen Hauptes zurück zu ihrem Tisch. Befriedigt stellte sie fest, dass Pedro ihr mit starrem Blick nachsah und sich dabei an der Theke abstützte.

Den ganzen Tag über ärgerte Marlene sich über den Zwischenfall. Sie nahm sich vor, Pedro am Abend eisig zu behandeln und am nächsten Tag in ein anderes Hotel zu ziehen. Was sollte diese blöde Wette? Hatten die Kellner sich nur über sie lustig machen wollen, weil sie keinen Partner hatte? Sie hatte keine Lust, sich weiterhin den demütigenden Blicken der Kellner und ihrem Getuschel auszusetzen. Aus ihrem Reiseführer suchte sie sich drei Luxushotels aus und rief dort an. In allen Hotels waren jetzt in der Nachsaison noch Zimmer frei. Beruhigt verschob sie die Entscheidung darüber auf den nächsten Tag und versuchte, sich nicht auch noch den Rest des Tages von dem unsäglichen Vorfall beim Frühstück verderben zu lassen.

Sie aß früh zu Abend, denn sie wollte auf gar keinen Fall mit Pedro etwas essen gehen. Pünktlich um halb acht trat sie in einem strengen Bleistiftrock, einer klassischen weißen Bluse und mit zurückgebundenen Haaren durch die Drehtür aus dem Hotel. Etwas abseits auf dem Parkplatz stand Pedro neben einem rostigen, alten Motorroller. Er machte keine Anstalten, auf sie zuzugehen, und der Ärger, der ohnehin schon in Marlene schwelte, verstärkte sich noch. Sie ging auf ihn zu und begrüßte ihn mit einem knappen „Hallo“.

Er schluckte. „Guten Abend.“

Er trug eine Jeans und ein Hemd, das schon bessere Tage gesehen hatte. Es war geflickt, und Marlene konnte erkennen, dass ein Riss am Ärmel mit unzähligen winzigen Stichen akribisch vernäht worden war. Er roch frisch geduscht, seine Haare waren sorgfältig frisiert und glänzten. Er hat sich für mich herausgeputzt, dachte Marlene, und ihr Ärger schwoll etwas ab. Ihre Blicke trafen sich. Er wirkte nervös, unsicher und irgendwie traurig. Das passte alles gar nicht zu der dummen Wette.

Sie streckte ihm die Hand entgegen und sagte etwas versöhnlicher: „Ich heiße übrigens Marlene.“

Zaghaft nahm er ihre Hand, drückte sie dann aber kräftig, und es schien ihm schwerzufallen, sie wieder loszulassen. „Danke, dass Sie mit mir ausgehen“, brachte er endlich einen vollständigen Satz heraus. „Ich dachte, wir könnten mit meinem Motorroller zu einer Bar in Portimão fahren. Einen zweiten Helm habe ich mitgebracht.“

Wie auch im Speisesaal unterhielten sie sich auf Englisch. Er sprach mit einem starken südländischen Akzent, was sich für Marlenes Geschmack äußerst sympathisch anhörte.

„Nein“, lehnte Marlene seinen Vorschlag bestimmt und mit einem abfälligen Seitenblick auf das klapprige Gefährt ab. „Mit dem Motorroller fahre ich nicht mit, aber wir können einen Spaziergang machen“, schlug sie ihrerseits vor.

Pedro blickte sie erstaunt an. Als südländischer Macho war er es anscheinend nicht gewohnt, von einer Frau Widerspruch zu erhalten. „In Ordnung“, willigte er ein und fügte hinzu: „Wir können hier entlanggehen.“

Er zeigte nach rechts, am Hotel vorbei den Hügel hinauf. In diese Richtung war Marlene noch nie gegangen. Intuitiv hatte sie immer den Weg nach unten eingeschlagen, der nach Carvoeiro führte, und in Richtung der Treppe, die den einzigen Weg zu dem kleinen Strand darstellte. Sie gab sich mit seinem Vorschlag zufrieden und folgte Pedro.

Schweigend gingen sie ein Stück bergauf an der Straße entlang, bevor Pedro in einen schmalen Pfad einbog, der zwischen einer Häuserreihe weiter nach oben in Richtung Klippen führte. Der Pfad wurde immer schmaler und unebener. Marlene war froh, flache Sandalen zu tragen, zumal es dämmrig wurde. Bewusst sagte sie keinen Ton. Es hätte sie keine Mühe gekostet, eine lockere Konversation in Gang zu bringen, doch sie wollte es ihm nicht leicht machen.

Nach einer Weile fragte er sie: „Gefällt es Ihnen hier?“

„Ja, es ist schön“, antwortete sie kurz angebunden.

Erst einige Höhenmeter später wagte er eine zweite Frage: „Sind Sie zum ersten Mal an der Algarve?“

„Nein, als Kind habe ich mit meinen Eltern schon einmal Urlaub hier gemacht.“

Erneut herrschte Schweigen zwischen ihnen, bis sie oben auf den Klippen angekommen waren. Ein traumhafter Blick eröffnete sich ihnen. Die Sonne war fast untergegangen und zeichnete orangerote Schlieren in den Himmel, die sich mit dem Graublau vorüberziehender Wolken vermischten. Die Felsen im Vordergrund wirkten fast schon schwarz, und in weiter Ferne konnten sie gerade noch die dunklen Umrisse der Landzunge erkennen, mit der sich Portugal nach Südwesten auszudehnen versuchte. Das Meer unter ihnen schillerte schwarz-silbern, und sie hörte die Wellen, die ungefähr sechzig Meter unter ihnen gegen die Felsen schlugen. Pedro ergriff vorsichtig ihren Oberarm und führte sie zu einem Felsen, der ihnen eine Sitzfläche bot. Er wischte mit der Hand über die Oberfläche, um kleine Steinchen und Staub zu entfernen, bevor er ihr die bequemste Stelle anbot und sich neben sie setzte. Sie thronten über dem Meer und bewunderten, wie die letzten Sonnenstrahlen in einem fast schon kitschigen Farbenspiel ins Meer tauchten.

Als sich die letzten Strahlen verabschiedet hatten, begann Marlene zu frösteln. Sie hatte keine Jacke mitgenommen, und auf den Klippen wehte ein kühler Wind. Pedro registrierte ihr Zittern sofort und legte ihr eine abgewetzte Jeansjacke, die er über dem Arm bei sich trug, über die Schultern. Marlene wehrte sich nicht. Zum einen war ihr plötzlich wirklich kalt, und zum anderen roch die Jacke sauber. Zum ersten Mal an diesem Tag lächelte sie ihn an.

„Kommen Sie aus Deutschland?“, fragte Pedro ermutigt durch ihr Lächeln.

„Ja, aus Hamburg.“

„Ich dachte mir, dass Sie Deutsche sind. Was machen Sie beruflich?“

„Ich bin Ärztin, Frauenärztin.“

Pedro blickte sie ehrfürchtig an. „Oh, dann bringen Sie Babys auf die Welt.“

„Ja, auch, aber hauptsächlich kümmere ich mich um Patientinnen, die Krebs haben, vor allem Brustkrebs. In Deutschland wird Brustkrebs von Frauenärzten operiert und auch weiterbehandelt“, erklärte Marlene.

Pedro blickte sie wortlos an. Er schien plötzlich um Jahre gealtert. Im schwindenden Licht wirkten seine ernsten Augen schmerzverzerrt.

„Was haben Sie?“, fragte Marlene erschrocken.

„Meine Frau ist vor drei Jahren an Brustkrebs gestorben.“

Pedro beugte sich vor, als habe er körperliche Schmerzen, stützte sich mit den Händen auf seinen Knien ab und ließ den Kopf nach vorne sinken. Ohne darüber nachzudenken, streckte Marlene die Hand aus und strich Pedro über den Rücken. Er zuckte kurz zusammen, ließ sie aber gewähren.

„Es war grauenhaft. Unsere Kinder waren erst fünf und sieben Jahre alt, als sie starb. Ich selbst hatte den Knoten bei ihr anderthalb Jahre zuvor ertastet. Maria hatte ihn schon viel früher bemerkt, wollte aber die Kinder und mich nicht beunruhigen. Der Krebs war schon drei Zentimeter groß und hatte in die Lymphknoten gestreut, als sie operiert wurde.“

„Es tut mir so leid“, sagte Marlene.

Erst zögerte Pedro und rang nach Worten, dann aber erzählte er immer hastiger weiter: „Maria wurde operiert, bekam ein halbes Jahr lang Chemotherapie und wurde noch bestrahlt. Aber schon sechs Monate nachdem die Chemotherapie vorbei war, hat sie angefangen zu husten, weil der Krebs in die Lunge gestreut hatte. Dann lief auch noch Wasser in die Lunge, und sie musste ständig in die Klinik, um das Wasser abziehen zu lassen. Eine Chemotherapie hat sie auch noch bekommen, aber es hat nicht geholfen. Der Krebs ist einfach weitergewachsen. Es war kaum zu ertragen, sie nach Luft ringen und leiden zu sehen. Ich konnte gar nichts für sie tun. Auch für die Kinder war es furchtbar zu sehen, wie ihre Mutter fast erstickte. Sie ist dann im Krankenhaus gestorben. Dort hat man ihr starke Schmerzmittel gegeben, und sie hat zumindest nicht mehr so um Luft kämpfen müssen. Ich war bei ihr, als sie gestorben ist.“

Er hielt kurz inne und fuhr dann fort: „Wir waren nur normal sozialversichert, und eine Behandlung in einer teuren Privatklinik konnten wir uns nicht leisten. In der staatlichen Klinik hat sie nur die Standardbehandlung bekommen. Ich mache mir immer wieder Vorwürfe, ob alles anders verlaufen wäre, wenn wir eine bessere Behandlung hätten bezahlen können.“

Erschrocken antwortete Marlene: „Pedro, Sie dürfen sich keine Vorwürfe machen. Zwar kenne ich die Details des Krankheitsverlaufs Ihrer Frau nicht, aber ich weiß, dass die Standardtherapie bei Brustkrebs in Portugal dem europäischen Standard entspricht. Ihre Frau hat direkt nach der Operation eine Chemotherapie bekommen, dazu werden auch in Portugal sehr wirksame Medikamente verwendet. Damit wollte man verhindern, dass sich Tochtergeschwülste bilden. Es gibt leider kein Wundermittel gegen Krebs, auch keines, das man für viel Geld kaufen könnte. Ihre Frau hatte wahrscheinlich eine aggressive Form von Brustkrebs. Nichts hätte sie retten können. Es ist furchtbar ungerecht, aber auf gar keinen Fall ist es Ihre Schuld.“

Pedro hob den Kopf und blickte sie an. Tränen liefen seine Wangen herab. Er sah so unendlich traurig aus. Marlene legte ihre Hände auf seine Wangen und wischte mit ihren Daumen die Tränen weg. Dann beugte sie sich vor und küsste ihn zart auf den Mund. Vorsichtig zog sie sich ein kleines Stück zurück, um in seine brennenden Augen blicken und seine Reaktion ablesen zu können, bevor sie erneut ihre Lippen auf seine senkte. Seine Lippen waren weich und warm, er roch und schmeckte gut. Zögernd begann Pedro, ihren Kuss zu erwidern. Marlene fuhr mit ihrer Zungenspitze langsam über seine Lippen. Er stöhnte auf und umklammerte sie unvermittelt mit beiden Armen. Aus dem anfangs zurückhaltenden wurde ein intensiver, fast schon verzweifelter Kuss. Eng umschlungen saßen sie auf dem Felsen, hatten ihre Zungen ineinander verhakt und die Lippen aufeinandergepresst. Nach einer Weile lockerten sie die Umarmung und sahen sich in die Augen. Pedro ließ den Kopf auf Marlenes Schultern sinken und fing an zu schluchzen. Er schien sich nun nicht mehr beherrschen zu können.

Marlene nahm ihn fest in die Arme und flüsterte ihm ins Ohr: „Es ist in Ordnung, alles ist okay.“

Pedro beruhigte sich langsam und verharrte noch eine Weile an ihrer Schulter. Als er sich von ihr löste, konnte sie seinen Gesichtsausdruck nicht erkennen, denn es war stockfinster geworden.

„Es tut mir leid“, sagte er. „So etwas ist mir noch nie passiert. Bisher habe ich nur geweint, wenn ich alleine im Bett war. Wegen meiner Kinder habe ich immer versucht, mich zusammenzureißen. Noch nicht einmal auf Marias Beerdigung habe ich Tränen gezeigt.“

„Es muss Ihnen nicht leidtun“, war alles, was Marlene darauf zu erwidern wusste.

„Sie sind der erste Mensch, mit dem ich überhaupt über Marias Tod geredet habe“, fügte Pedro kaum hörbar hinzu.

Hand in Hand gingen sie schweigend den steilen, steinigen Weg zurück. An der Straße angekommen lösten sie ihre Hände voneinander, und sie legten die letzten Meter bis zum Hotel zurück.

Auf dem Parkplatz reichte Pedro ihr förmlich die Hand. „Gute Nacht. Ich danke Ihnen.“

„Es gibt nichts, wofür Sie sich bedanken müssten. Ich wünsche Ihnen eine gute Heimfahrt und ebenfalls eine gute Nacht.“

„Wir sehen uns morgen beim Frühstück“, sagte Pedro noch, bevor der entsetzlich laute Motor des alten Rollers aufheulte. Marlene winkte ihm zum Abschied zu und ging zurück ins Hotel.

Kurz darauf lag sie im Bett und dachte über den Abend nach. Er war komplett anders verlaufen, als sie es sich vorgestellt hatte, und sicher war Pedro darüber noch überraschter als sie. Sie war gespannt darauf, wie er sich am nächsten Morgen ihr gegenüber verhalten würde. Womöglich war es ihm mittlerweile peinlich, dass die Situation so außer Kontrolle geraten war. Sie wunderte sich über Pedros Wortgewandtheit, die deutlich über die für einen Kellner notwendigen Floskeln hinausreichte. Sein Englisch mit dem charmanten südländischen Akzent war ausgezeichnet. Dann dachte sie an den Kuss und an den Druck von Pedros festem Oberkörper auf ihre Brust. Anders als erwartet war ihr der körperliche Kontakt angenehm gewesen, ja mehr noch, er hatte sie erregt. Wenn sie sich vorstellte, wie sich Pedros Körper an sie gedrängt hatte, spürte sie, wie sich die Muskeln in ihrem Unterleib zusammenzogen und sich von dort aus eine warme Welle durch ihren Körper ausbreitete. Dieses untrügliche Anzeichen von Erregung hatte sie schon so lange nicht mehr gespürt. Marlene strich mit der Hand über ihren Unterbauch, in dessen Tiefe das erwartungsvolle Wohlgefühl geweckt worden war. Sie stellte ihre Beine auf. Ihr Nachthemd glitt an ihren Oberschenkeln entlang und entblößte ihre feucht gewordene Mitte. Sie begann, sich zu stimulieren, massierte ihre Knospe und genoss die Wärme, die sich von dort über ihren Körper ausbreitete. Gedanklich fokussierte sie sich auf Pedros weiche Lippen auf ihrer Haut und auf den Geschmack seiner Zunge. Langsam drang sie mit Zeige- und Mittelfinger in sich ein und massierte sich sanft. Jeder Atemzug Pedros hatte den Druck seines Oberkörpers auf ihre Brust verstärkt. Sie wurde schneller, fand ihren Rhythmus und begann zu glühen. Die Wärme seines Körpers war durch sein Hemd und ihre Bluse gedrungen, und ihre Hände hatten auf seinem Rücken die festen Muskelstränge ertastet. Sein männlicher Geruch war aufregend gewesen. Sie stellte sich vor, über seine Hose zu streichen und die Wölbung darunter auszumachen. In Gedanken öffnete sie seine abgetragenen Jeans und fuhr mit der Hand in die entstehende Öffnung, um seinen festen, glatten Penis zu umschließen. Eine heiße Welle durchlief sie, und sie spürte das Zucken in ihrem Unterbauch. Erleichtert seufzte sie, als ihr Körper sich nach dem Orgasmus entspannte und sich auf dem Laken doppelt so schwer anfühlte wie zuvor.

Ein Orgasmus war ihrer Erfahrung nach besser als jede Yoga-Tiefenentspannung. Sie nutzte regelmäßig die unfehlbare Wirkung, die ein Orgasmus auf ihren Körper hatte, wenn sie nach einem 24-Stunden-Dienst nach Hause kam. War sie so müde, dass sie kaum die Augen offenhalten konnte, gleichzeitig aber von den Ereignissen in der Klinik so aufgewühlt, dass sie nicht einschlafen konnte, bewirkte ein netter kleiner Orgasmus mehr als jede Schlaftablette. Danke, Pedro, dachte sie noch im Einschlafen, und schade, dass es das mit uns wohl gewesen ist.

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