Autorin

AutorenfotoAlesia Fridman ist ein Pseudonym.

Ich habe in der Schweiz, den USA und in Deutschland gelebt. Bevor ich in der Nähe von Frankfurt zur Ruhe gekommen bin und begonnen habe, Belletristik zu schreiben, bin ich viel gereist. Nichts ist so inspirierend und gibt dem Leben neue Impulse wie das Bereisen anderer Länder und die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen und Menschen. Daher schreibe ich über das Reisen und die Liebe, die das Leben gleichermaßen bereichern und verändern. Gewürzt sind meine Bücher mit einer anständigen Prise Erotik.

 

Warum schreibe ich?

Ich sitze in einem Restaurant. Eine Familie mit vier Kindern nimmt an einem Tisch mir schräg gegenüber Platz. Der älteste Sohn grüßt höflich, als er an mir vorbeigeht. Überrascht blicke ich auf und grüße eilig und etwas verspätet zurück. Das hatte ich gar nicht erwartet. Der Junge ist etwa achtzehn Jahre alt, und alles an seinem Äußeren drückt aus: Ich bin nicht angepasst! Der eigenwillige, kurze Haarschnitt, der mich unwillkürlich an die rechtsradikale Szene denken lässt, der Ohrring, das Piercing, die Kleidung. Ich beende meine Vorspeise, trinke einen Schluck Weißwein und beobachte die Familie. Der Junge kümmert sich um seine drei deutlich jüngeren Geschwister, beschäftigt sie, bewundert die Kunstwerke, die sie malen, um sich die Zeit im Restaurant zu vertreiben. Der Vater sitzt am Kopfende, ein extrovertierter, großer Mann, der alle zu kennen vorgibt und unüberhörbar für alle Gäste mit den Kellnern joviale Gespräche führt. Er steht vom Tisch auf und geht weg, wohin auch immer. Seine Frau blickt ihm kurz nach. Der Junge fängt den Blick auf und wendet sich seiner Mutter zu, unterhält sie, lenkt sie ab. Die rechte Hand des Jungen liegt auf dem Tisch, sie zittert leicht, als er damit die Zigarettenpackung neben seinem Teller wie einen Rettungsanker umklammert.

Ich beobachte, stelle mir Fragen. Was geht in diesem Jungen vor sich? Er rebelliert, und gleichzeitig sorgt er für alle um sich herum. Was hat er hinter sich, und was erwartet ihn?

Meine Fantasie geht mit mir durch. Ich sehe seine ganze Lebensgeschichte wie einen Film vor meinem inneren Auge ablaufen. Er könnte Lukas heißen. Ich sehe ihn als Säugling in den Armen seiner viel zu jungen Mutter, die mit Tränen in den Augen auf ihn blickt und nicht weiß, ob sie ihn lieben soll, weil er das Schönste ist, das sie je gesehen hat, oder ob sie ihn hassen soll, weil er ihr bisheriges Leben zerstören wird. Ich sehe ihn als Kleinkind, der alles versucht, was Kleinkinder so tun, um Aufmerksamkeit und Liebe zu gewinnen, er schreit und lacht, er trotzt und schmiegt sich an. Ich sehe Lukas als Schulkind an der Wiege seiner kleinen Halbschwester stehen. Seine Mutter ist überglücklich. Sie hat einen neuen Mann gefunden, noch dazu einen gut situierten – sonst könnte er sich das Essen mit vier Kindern in dem nicht ganz billigen Restaurant nicht leisten. Er war erfolgreicher Handballer und arbeitet jetzt im Sportmanagement. Sie vergöttert ihn, möchte mit ihm nachholen, was sie in ihrer Jugend als alleinerziehende Mutter verpasst hat. Lukas streichelt über die winzige Hand seiner Schwester. Wo wird sein Platz in dieser Familie sein?

Eine Stunde ist vergangen. Die Familie steht auf, um zu gehen. Der Junge blickt kurz in meine Richtung. Ich schenke ihm ein herzliches Lächeln, ich kenne ihn ja so gut. Der Junge stutzt, lächelt zaghaft zurück und blickt mich noch einmal fragend über seine Schulter hinweg an, bevor er durch die Tür tritt.

Ich lebe in zwei Welten. Meiner realen Welt, die mich mal mehr, mal weniger gefangen nimmt, und in der Welt meiner Geschichten, in der meine Gedanken frei sind. Bislang waren es ganz exklusiv meine Geschichten. Jetzt möchte ich sie teilen. Ich möchte meine Geschichten mitteilen und hoffe, dass sie auf Leser treffen, die genauso in sie versinken können wie ich.

Mittlerweile habe ich mich an das Schreiben verloren. Ich muss schreiben. Meine Besessenheit geht so weit, dass ich hoffe, nachts nicht schlafen zu können, damit ich schreiben kann.

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